Saarhölzbach
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Saarhölzbach

Geschichte

Das PRINZENHAUS in Saarhölzbach, auch Prinzenwirtschaft ("Prenzenwirtschaft") genannt, ehemals eine Station für Halfen und Schiffer.

Es erinnert uns an eine Zeit, in der weder eine Straße, noch eine Eisenbahnstrecke entlang der Saar zu den unmittelbaren Nachbarorten Mettlach oder Serrig existiert hatte. Die Straße in Richtung Serrig führte mühsam über den "Langen Berg" und Hundscheid. Mettlach war nur über die Hölzenschleif und Herrgottstein zu erreichen. Die Saar bildete damals den einzigen Hauptverkehrsweg. Holzflösse wurden saarabwärts zur Mosel und Rhein bis nach Amsterdam geleitet.

Der überwiegende Teil des Warenverkehrs erfolgte mittels holzgebauten Schiffen. Die größten Saarschiffe wiesen eine Länge von 150 Fuß und eine Breite von 22 Fuß aus, das Ladegewicht betrug 4.500 Zentner. Bei den kleinsten Schiffen lag das Fassungsvermögen bei 900- 1.500 Zentnern, während die eines mittleren Typs bis zu 2.000 Zentner befördern konnten. Die Möglichkeit der maximalen Auslastung bestand nur bei Fahrten stromabwärts. Bei Fahrten stromaufwärts war die Ladekapazität zwangsläufig geringer, da die Schiffe dann von Pferden gezogen werden mußten und die Streckenweise starken Strömungen der Saar im besonderen zwischen Serrig und Dreisbach zu bewältigen waren.

So mußten für jede "Bergfahrt" Halfen mit sogenannten Leinpferden angeheuert werden. Je nach Größe des Schiffes wurden 2-8 Pferde eingesetzt, die dieses dann auf dem der Saar entlang angelegten Leinpfad, der teilweise durch knietiefes Wasser führte, saaraufwärts zogen.

Die Halfen, meist Bauern aus dem Kreis Saarburg, die nebenbei noch in geringem Umfang Ackerbau betrieben, trugen ihre eigen berufstypische Kleidung. Über einem grobleinenen Hemd trugen sie eine kurze Jacke aus starkem grauen oder weißen Leinen. Die Jacke wurde dann von einem etwas kürzeren blauen Kittel bedeckt, und die gesamte Kombination wurde noch mit einem roten Halstuch aus Baumwolle komplettiert. Die Hosen bestanden ebenfalls aus kräftiger und strapazierfähiger Leinwand und waren ab den Knien bis zu den kräftigen Nagelschuhen mit Gamaschen umwickelt. Den Kopf bedeckte ein breitkrempiger schwarzer Hut, den eine schmale bunte Schnur zierte. Unter diesem Hut verbarg sich zusätzlich eine blau- oder weißgestreifte baumwollene Mütze, de sich die Halfen über den Kopf zogen, wenn sie bei der Arbeit den Hut ablegen mußten.

Eine Schiffsfahrt flußaufwärts von Konz bis Saarbrücken dauerte je nach Wasserstand der Saar 4-5 Tage. Wenn man bedenkt, daß solche Fahrten bei Wind und Wetter durchgeführt werden mußten, dann kann man sich auch vorstellen, welchen Strapazen Halfen und Pferde ausgesetzt waren.

Nach schwerer Tagesarbeit waren die Halfen also froh, am Abend eine Herberge mit Übernachtungsmöglichkeit für sich und ihre Pferde zu finden. Eine davon war das Prinzenhaus in Saarhölzbach. Schiffer und Halfen fanden hier wohnliche Zimmer vor und auch für ihre Pferde waren ausreichende Stallungen vorhanden. Das bis unmittelbar an das Saarufer reichende Grundstück des Prinzenhauses ermöglichte auch dort selbst ein Anlegen und Verankern der Schiffe.

Eine an der Vorderfront des Gebäudes in Sandstein gehauene Inschrift kündet noch heute von dem Erbauer und dem Baujahr des Prinzenhauses:

" Michel Pryenz, anno 1770"

Ein erst später im Prinzenhaus gefundener Stein mit der Jahreszahl 1704 läßt darauf schließen, das an gleicher Stelle bereits zuvor ein anderes Haus existiert hatte.

Das Gebäude mit seinem abgestuften Dach ist im ruhigen ländlichen Barock erbaut. Es zeigt große Ähnlichkeit mit den etwa um die gleiche Zeit erbauten ehemaligen Direktionsgebäude der Merziger Brauerei (altes Patrizierhaus) und dem Wirtschaftsgebäude des Gutes "Saarhausen" sowie der "Abtei" in Besseringen. In seinem Buch " Geschichte des Kreises Merzig" zieht Schulrat Kell den Schluß, daß aufgrund der künstlerischen Durchbildung das ehemalige Patrizierhaus in Merzig dem berühmten Baumeister Christian Kretschmar zugeschrieben werden kann. Diese Annahme könnte somit auch für die im gleichen Zeitraum in diesem oder ähnlichem Stil erbauten Gebäude zutreffen, zu denen ebenfalls das Prinzenhaus gehört. Zumindest ist die Schule des Baumeisters an diesen Gebäuden zu erkennen.

Als in den Jahren 1856-1860 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Trier-Saarbrücken der Schiffsverkehr auf der Saar schnell zum Erliegen kam, wurde das Prinzenhaus in seiner Tradition als Gasthaus weitergeführt. Im Inneren wurde es nach und nach der Zeit entsprechend umgestaltet.

So wurde 1903 ein breiter Eingang geschaffen und die Gaststube erweitert. Die Küche mit ihrem wuchtigen Kreuzgewölbe verblieb im ursprünglichen Zustand. Von ihr führt noch eine zwischenzeitlich ausgetretene Steintreppe in die niedrigen Kellerräume mit ihren ca. 130 cm starken Mauerwerken.

Am Ende des Hausganges windet sich eine schmale Holztreppe zu den Schlafräumen und den Gästezimmern. In diesem Bereich befand sich auch das sogenannte "Stiffchen", in dem bis zum Bau des Pfarrhauses um 1850 die Pfarrer von Saarhölzbach ihr Domizil hatten.

Die um 1900 einsetzende Bewegung der Vereinsgründungen und die damit einhergehenden Aktivitäten wie Versammlungen, Proben, Theateraufführungen, Tanzveranstaltungen usw. waren dann 1903 wohl der Anlaß für den Anbau eines entsprechenden Saales. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in der Fortführung der Erweiterungsmaßnahmen mit dem Umbau der Stallungen und der Scheune zusätzlich ein Nebenzimmer und eine moderne Toilettenanlage geschaffen.

Nach dem Tode seiner Ehefrau und seinem Eintritt in den Ruhestand traf der damalige Besitzer, Herr Johann THIESER im Februar 1954 eine für das Anwesen Prinzenhaus tiefgreifende Entscheidung. Mit ihr wurde das gesamte bebaute und unbebaute Anwesen im Halfenweg in drei Teile gesplittet.

Das Wirtschaftsgebäude mit Gaststätte und Saal übernahmen der jüngste Sohn Robert und dessen Gattin Gertrud geb. Leinen. Sie führten den Betrieb fort bis sie ihn letztlich 1958 veräußerten und der bis dahin so stolze und traditionsreiche Familienbesitz somit in der siebten Generation erstmalig an ein Nicht-Familienmitglied übergehen sollte.

Stallungen und Scheune, ausgenommen ein schmaler Teil, in dem die Toilettenanlage der Gastwirtschaft integriert war, übernahmen eine der Töchter, Frau Katharina und ihr Gatte Johann Kühn. Diesen Gebäudekomplex bauten sie dann zu einem Wohnhaus um. Nach dem definitiven Einstellen des Gastwirtschaftsbetriebes im Prinzenhaus 1986 konnte die Familie Kühn-Thieser auch den ursprünglich noch ausgeklammerten und dem Gaststättenbereich zugeordneten schmalen Gebäudestreifen in ihr Wohnhaus eingliedern.

Neben ihrer Erwerbstätigkeit aus der Gast- und Landwirtschaft hatte die Besitzerfamilie des Prinzenhauses Thieser-Oswald auf dem dem Wirtschaftsgebäude gegenüberliegenden Grundstück zusätzlich auch eine Obstkelterei und eine Branntweinbrennerei betrieben. Auf diesem Grundstück errichtete eine weitere Tochter der Familie, Frau Gertrud Laug - Thieser, ein Wohn- und Geschäftshaus.

Als 1986 dann der damalige Besitzer, dem allgemeinen Trend der Zeit folgend, aus rein wirtschaftlichen Überlegungen das Wirtschaftsgebäude in ein Mietobjekt umwandelte war die lange traditionsreiche Ära des Prinzenhauses endgültig zu Ende.

Das Prinzenhaus bleibt dennoch ein Stück Saarhölzbacher Geschichte und die Bausubstanz steht auch heute noch unter Denkmalschutz. Als allerdings 1982 einer Sanierung des Daches der Naturschiefer aus nicht nachvollziehbaren Überlegungen durch Dachziegel ersetzt und die für dieses Gebäude charakteristischen Dachgauben entfernt worden sind, hat das stilvolle Gebäude leider etwas an Ausstrahlung eingebüßt.

Das im Jahre 1770 von Herrn Michael Printz als Gast- und Übernachtungsstätte für Schiffer und Halfen erbaute Prinzenhaus kann seit seiner Entstehung auf eine lange und erfolgreiche Familientradition zurückblicken.:

Das Prinzenhaus und seine Familienchronik

1. Michael Printz, Sohn eines Fischers namens Wilhelm Printz aus Saarhölzbach und Frau Anna Maria geb. Reinert aus Hausbach.

geb.: im Jahre 1743 in Saarhölzbach
verst.: 16.09.1802 in Saarhölzbach
verh.: seit 1770 mit Frau Anna Maria Schmal
geb.: 13.12.1744 in Losheim
verst.: 24.02.1814 in Saarhölzbach

Das Ehepaar hatte 7 Kinder, davon 3 Söhne und 4 Töchter. Der älteste Sohn Franz-Josef übernahm das Prinzenhaus.

2. Franz-Josef Printz, Ackerer und Wirt.

geb.: 02.03.1771 in Saarhölzbach
gest.: 29.03.1820 in Saarhölzbach
verh.: seit 17.02.1799 mit Fr.Barbara Lang
geb.: 14.04.1776 in Michelbach
verst.: 05.12.1839 in Saarhölzbach

Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor, 4 Söhne und 5 Töchter. Das Prinzenhaus wurde von dem ältesten Sohn Franz-Josef übernommen.

3. Franz-Josef Printz, Ackerer und Wirt.
geb.: 02.05.1803 in Saarhölzbach
verst.: 30.11.1859 in Saarhölzbach
verh.: in 1.Ehe 16.09.1834 mit Fr.Maria DÜHR
geb.: 24.02.1816 in Hamm
verst.. 14.12.1851 in Saarhölzbach

verh.: in 2.Ehe 26.10.1852 mit Fr.Susanne Neusius
geb.: 06.12.1827 in Britten
verst.: in Serrig

Nach dem Tode von Franz Josef Printz heiratete Frau Printz am 01.10.1860 Herrn Peter Wagner aus Serrig. Aus der ersten Ehe stammten 9 Kinder, darunter 4 Söhne und 5 Töchter. Vier Kinder aus der zweiten Ehe starben bei der Geburt. Die Tochter Barbara Printz übernahm das Prinzenhaus.

4. Barbara Printz

geb.: 14.05.1839 in Saarhölzbach
verst.: 21.09.1903 in Saarhölzbach
verh.: 18.02.1857 mit Wilhelm Gierend, Ackerer und Wirt
geb.: 06.12.1827 in Saarhölzbach
verst.: 16.01.1895 in Saarhölzbach

Das Ehepaar hatte 3 Kinder, 2 Söhne (der ältere starb bei der Geburt) und 1 Tochter. Der zweite Sohn Johann übernahm das Prinzenhaus.

5. Johann Gierend, Ackerer und Wirt

geb.: 27.12.1862 in Saarhölzbach
verst.: 21.07.1920 in Saarhölzbach

Johann Gierend blieb ledig. Seine Schwester Elisabeth und der mit ihr vermählte Johann Thieser waren zwischenzeitlich ebenfalls verstorben, so daß deren Sohn Johann das Prinzenhaus übernahm.

6. Johann Thieser, Ackerer und Wirt.

geb.: 23.11.1881 in Saarhölzbach
verst.: 19.10.1954 in Saarhölzbach
verh.: 17.01.1910 mit Katharina Oswald
geb.: 15.01.1889 in Saarhölzbach
verst.: 16.07.1951 in Saarhölzbach

Dieser Ehe entstammten 8 Kinder; 2 Söhne und 6 Töchter. Im Februar 1954 übereignete - wie im vorausgegangenen Bericht dargelegt- Johann Thieser das Wirtschaftsgebäude mit Gaststätte seinem jüngsten Sohn Robert.

7. Robert Thieser, Techn. Zeichner.

verh.: mit Frau Gertrud Leinen aus Saarhölzbach

Am 8.1.1958 veräußerte Robert Thieser das Prinzenhaus an das Ehepaar Edgar und Hertha Lambert aus Neunkirchen.

8. Edgar Lambert, Gastwirt

Am 20.03.1979 verkaufte- nachdem ihr Gatte Edgar zwei Jahre zuvor verstorben war- Frau Hertha Lambert das Prinzenhaus an Herrn Gerhard Schmitt aus Siersburg.

Herr Gerhard Schmitt hat den Gaststättenbetrieb 1986 eingestellt und das Prinzenhaus in mehrere Sozialwohnungen umfunktioniert.

Es ist ruhig geworden im Prinzenhaus, das allein 5 Kriege überlebt hat, in dem viele Gäste in guten und in schlechten Zeiten bewirtet wurden und das viele Jahre inmitten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens von Saarhölzbach gestanden hat.

Kurt Schramm, im März 2001 Quellennachweis: - Familienunterlagen
  • "Geschichte des Kreises Merzig " von Schulrat Johann Heinrich Kell,
  • Nachlaß von Josef Weber
  • Familienbuch "Mettlach und seine Umgebung" von Reinhold Junges.



   

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